Die vier Phasen zur Selbstheilung

Aktualisiert: 28. März


Das Ende einer innigen Beziehung, die plötzliche Kündigung vom Chef...

Jeder weiß, wie sich so etwas im ersten Moment anfühlen kann. Der erste Schock sitzt tief und der emotionale Schmerz ist oft kaum ertragbar. Es ist, als hätte ein Tsunami dein gesamtes Leben mit sich gerissen und kaum etwas von dem übrig gelassen, was für dich einmal einen großen Wert hatte. Alles fühlt sich wie durchgespült an. Deine Vorstellungen von Halt und Sicherheit, deine Werte, deine Art zu handeln und zu denken - alles ist von einer Welle des emotionalen Schmerzes überrollt worden. Kennst du dieses Gefühl?

Setzt sich der erste Schock einmal, so leitet sich die Realisation des neuen und zunächst unangenehmen Umstandes schon relativ zügig ein. Der Gedanke an das große Unglück, welches einem soeben widerfahren ist, führt zu einer entsprechenden Emotion. Die Intensität, Dauer und Art der Emotion hängt hier jedoch sehr stark von der individuellen Grundstruktur der Persönlichkeit des Betroffenen ab, welche sich aus den persönlichen Lebenserkenntnissen im Laufe der Zeit gebildet und manifestiert haben.



Der Schmerz hat am Ende einen Sinn


Nach einem Tsunami ist einiges hinüber. Es gibt viele Schäden und - ob man es so wollte oder nicht - nichts ist jetzt mehr, wie es vorher einmal war. Eine Krise sorgt dafür, dass Teile deines äußeren und inneren Lebens neu geboren werden können. Denn dieses Mal fühlst du dich wie gezwungen, etwas zu ändern, dein Leben anders auszurichten, endlich mal zu (re)agieren.

Nachdem die intensiven Emotionen und das Leiden langsam abklingen, geschieht etwas, das ich als ein kleines Wunder der Natur betrachte. An einem Punkt, an dem der Schmerz oder die Trauer nicht länger ertragbar ist, leitet sich irgendwann der Prozess der Akzeptanz ein. Wir sind das erste Mal in der Lage, die Situation nüchtern zu betrachten und die Krise wahrhaftig so anzunehmen, wie sie eben ist. Beim Betrachten der Umstände klingt die verwirrende und betrübende Emotion langsam ab und wir können die - einst schockierenden - Umstände langsam akzeptieren.


Akzeptanz ist einfach magisch. Ab dieser dritten der vier Phasen zur Selbstheilung ist wirklich alles möglich. Die Offenheit eines Menschen steigert sich um ein Vielfaches während einer Phase, in der er es sich erlaubt, seine Lebensumstände zu akzeptieren. Durch diese gefühlte Leere, die entsteht, wenn wir nicht wissen was wir jetzt mit unserem Leben noch anfangen können, fühlen wir uns in unserem Verlorensein fast schon dazu gezwungen, das Alte endlich einmal neu zu strukturieren.



Die neuen Erkenntnisse aus der schmerzhaften Phase wollen in Form eines Neubeginns umgesetzt werden!


Wenn ein Tsunami dein "sicheres" Haus zerstört hat, stehst du vor zwei Möglichkeiten.


a) Du betrachtest jeden Tag die Schäden der Vergangenheit und trauerst dem hinterher, was einmal war und heute nichtmehr ist. Du sprichst jeden Tag darüber, wie schlecht es dir jetzt geht und glaubst irgendwann selbst, dass du ein Opfer bist. Dein Opferdasein färbt sich irgendwann auch auf deine anderen Lebensbereiche ab. Du bist in eine Rolle geschlüpft und beschreitest deinen weiteren Lebensweg als das Opfer aller Umstände.

b) Du lernst die Chance an deiner Situation zu erkennen. Du siehst das positive an deiner Lage - Schließlich hat dich der Abriss deines alten Hauses nichts gekostet und der Weitblick auf deinem leeren Grundstück ist jetzt so klar, wie nie zuvor. Du hast jetzt den Raum, etwas viel besseres zu erschaffen, aus dem sich Möglichkeiten ergeben, die du ohne den Tsunami nie entdeckt hättest.


Der Schmerz, den eine Krise auslöst, lässt dich besser und schneller lernen als alles andere. Ohne Schmerz wäre der Entwicklungsprozess im Allgemeinen unglaublich langsam. Nicht umsonst heißt es so oft "Der Mensch kommt nur über Schmerz und Lust in Bewegung". Mit einer Krise wurde dir - über den Schmerz hinaus - auch Reinigung, Weitsicht und die Chance auf einen besseren Weg geschenkt.


Diese Leere, dieses "lost" sein gehört zum Leben dazu


Wenn du jetzt in einer Krise streckst, bist du wahrscheinlich gerade in diesem Moment so frei, wie selten in deinem Leben. Überleg doch einmal: Du bist wahrscheinlich ein Stück freier von materiellen Lasten und ein Stück freier von deinen geistigen Illusionen. Du hast jetzt die Möglichkeit, dich selbst in diesem Bereich deines Lebens komplett neu zu kreieren und deinen Lebensstil, wie auch deine Werte zu hinterfragen. Ist das nicht eine unglaubliche Chance für deine persönliche Reifung?


Ganz egal, ob sich dein/e Partner/in unerwartet von dir getrennt hat oder ein Tsunami dein altes Haus mit sich gerissen hat - Krisen lassen dich regelmäßig dein Leben aussortieren, damit du frei bist, um neue Wege zu gehen und, um dich in neuen Erfahrungen wieder selbst auszuprobieren. Vielleicht gelangst du erst durch deine harten Zeiten auf einen so unglaublich bereichernden Pfad, wie du ihn dir gerade nicht einmal erträumen kannst!


Wenn wir versuchen, mit etwas mehr Liebe in schlechte Zeiten zurückzublicken, lässt sich am Ende immer ein tieferer Sinn erkennen. Überleg mal: Wärst du heute der großartige Mensch, der du bist, wenn du nie durch herausfordernde Zeiten gegangen wärst?


Und merke dir eines: Eine Krise ist nur eine Krise solange du sie als eine solche bewertest. Jemand anders würde deine Situation als einen Segen betrachten. Es ist doch am Ende der Wandel, den unser Kollektiv so fürchtet!


Also wie auch immer du es benennen magst, wenn sich in deinem Leben etwas auf schockierende Weise wandelt: Krisen bereichern das Leben. Ohne Wandel kein Leben. Sei du einen Schritt voraus und nutze dein Problem als einen erkenntnisbringenden Booster anstatt ewig das selbe Level im Leben zu spielen.

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